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Römische Kaiserzeit (ca. Chr. Geb. bis ca. 375/425 n. Chr.)

Das Emsland wird nachweislich im 1. Jahrhundert erstmals in den schriftlichen Quellen erwähnt. In seinem Werk “Germania“ berichtet der historische Geschichtsschreiber Tacitus von den Germanenstämmen der Amsivarier und der Chauken, die im Gebiet der Ems und Hase siedelten. Zu jener Zeit gehörte das emsländische Gebiet zur „Germania libera“ (freies Germanien), dass nie von römischen Truppen besetzt war.

 

Germanische Besiedlungsspuren für das Emsland konnten an den Orten Ahlde und Geeste archäologisch nachgewiesen werden.

 

In Ahlde waren aufgrund der schlechten Bodenbedingungen keinerlei Hausgrundrisse mehr zu rekonstruieren. Aber der Fund von zahlreichen Scherben belegt für diesen Ort eine Siedlung. Weiter weisen die Funde von tönernen Webgewichten auf die Existenz eines so genannten Gewichtswebstuhls hin.

 

Mehrere Grabungen in Geeste wiesen nach, dass das Gebiet seit der Jungsteinzeit immer wieder besiedelt war und auch für die Römische Kaiserzeit konnten zwei Besiedlungsphasen dokumentiert werden. Aufgrund der guten Erhaltungsbedingungen der Hausgrundrisse konnten für beide Phasen Wohn- und Stallgebäude, Nebengebäude, sowie kleine Speicherbauten dokumentiert werden.

 

Unter den Gebäuden der späteren Besiedlungsphase nimmt ein Haus von 6 m Breite und knapp 60 m Länge eine Sonderstellung ein. Das Gebäude wurde durch mehrere Trennwände in separate Räume geteilt, welche teils über eigene Eingänge verfügen. Dank der Auffindung einer Münze von Constantin II. direkt im Hausinneren und zahlreichen römisch kaiserzeitlichen Scherben konnte es in die Zeit vom 3. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. datiert werden. Ein im Museum vorhandenes Gebäudemodell des Hauses veranschaulicht die damalige Wohnsituation.


Neben den Gebäudebefunden konnten in Geeste zahlreiche weitere, äußerst interessante Fundstücke geborgen werden. Neben heimischer Keramik wurden so genannte „Barbarische Kopien“, u. a. eines römischen Spruchbechers gefunden. Auch wurden einige Glasperlen und ein Bleiwürfel aufgefunden, die als Importe gedeutet werden können. All diese Funde sprechen dafür, dass in Geeste ein Siedlungszentrum existierte, welches in Kontakt zum römischen Reich stand.

 


Eine weitere herausragende Fundgruppe stellen die römischen Bronzestatuetten aus den Orten Spahn, Tinnen, Fullen bzw. Klein Fullen dar. Es handelt sich dabei um die plastischen Darstellungen der römischen Götter Mars und Merkur, sowie des römischen Hirtengottes Pan, welche in der Museumsausstellung gezeigt werden.

 

Der bedeutendste und auch älteste Fund der Spätantike in Nordwestdeutschland stellt der im Jahre 1847 in drei Einzelkomplexen gefundene Münz- und Schmuckhort von Lengerich dar. Insgesamt wurden hier ca. 1170 römische Silberdenare, eine goldene Zwiebelkopffibel, drei goldene Fingerringe, vier goldene Anhänger, ein Spiralring aus Draht, sowie zwei Armringe und ein Solidus gefunden.  

Auch die bekannte Moorleiche, der so genannte „Rote Franz“, der im Jahre 1900 bei Neu Versen entdeckt wurde, stammt aus der Römischen Kaiserzeit.

Die Hortfunde wie auch die Moorleiche sind heute im Niedersächsischen Landesmuseum zu Hannover zu sehen.





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